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Was ist eine Market On Open Order (MOO)?

An Börsen wie der NYSE oder der Nasdaq (aber auch an anderen großen Börsenplätzen) gibt es die Möglichkeit, der Market Order den Zusatz „on Open“ oder „opening“ mitzugeben. Damit signalisiert man dem Broker zunächst, dass man heute zur Börseneröffnung kaufen will. 

 

Der Zusatz „on open“ qualifiziert die Order nun aber darüber hinaus an der Teilnahme zur „vorbörslichen Auktion“.

 

Ein tägliches Ritual, bei dem Specialists und Marketmaker die Orders, die über Nacht hereingekommen sind, sammeln und unter Berücksichtigung von Angebot und Nachfrage einen fairen Eröffnungskurs ermitteln. Wie genau dieser Kurs ermittelt wird, bleibt das Geheimnis der Börsen. Hier lässt man sich nicht in die Karten blicken.

 

Anmerkung: es gibt nicht nur eine Eröffnungs-Auktion, sondern auch eine Auktion zum Close, also zum Börsenschluss. Das äquivalent wäre hier eine „market on close“ Order.

 

Nicht alle Broker bieten diese Orderarten „on open/on close“ an. Und weiterhin kann man nur „echte“ Aktien mit dieser Orderart handeln. Bei Kunstprodukten wie CFDs ist das nicht möglich. Verwendest du vorzugsweise Market Einstiege zur Börseneröffnung, solltest du unbedingt nach einem Broker Ausschau halten, der diese Orderart anbietet. 

 

 

Fakt ist nämlich, dass der Trader aus statistischer Sicht (über mehrere hundert Trades) mit besseren Ausführungspreisen und weniger Slippage rechen darf, wenn er der Order den Zusatz „on open“ mitgibt.

Welche Vorteile bietet eine Market On Open Order (MMO)?

Viele Trader nutzen Tages-Schlusskurs basierte Trading Strategien (englisch: end of day trading). Vielfach steigt man bei diesen Strategien zur Börseneröffnung ein, wenn man ein Signal bekommt. 

 

Der Einstieg, das haben wir vorhin gelernt, sollte dabei soweit möglich mit einer Market on open Order erfolgen. Und diese Order kann natürlich schon bei geschlossenem Markt platziert werden, wie alle anderen Haupt-Orderarten.

 

Damit das aber reibungslos und sinnvoll funktioniert, muss man bei der Auswahl der täglichen Trading-Signale die Sortierung berücksichtigen. Wie das funktioniert, erfährst du in meinem Beitrag über die Position Priority.

 

 

Doch ein Einstieg mittels Market oder Market on Open Order hat nicht nur Vorteile.

Abschließend muss ich noch auf zwei Unschärfen hinweisen, die mit tages-schlusskursbasierten Trading Strategien und Market Orders generell im Zusammenhang stehen. 

 

Der Hauptgrund für diese Unschärfen ist, dass die market (on open) Order zu einem Zeitpunkt eingestellt wird, zu dem der Eröffnungskurs noch unbekannt ist. Sehen wir weiter, was das in der Praxis für Konsequenzen hat.

Problem 1: Wechselkurs Schwankungen

Wir haben bisher bloß über den Entry und die Orderarten gesprochen. Doch was ist mit dem Thema Positionsgröße? Wie berechnen wir unsere Positionsgröße, wenn wir zur Börseneröffnung kaufen?

 

Denn der Eröffnungspreis ist ja unbekannt… Wir nutzen dazu die letzte Kursinformation, die wir haben. Nämlich den Schlusskurs des Vortages.

 

Anmerkung: sicher gibt es vor- und nachbörsliche Kurse. Diese sollten jedoch meiner Ansicht nach nicht als Basis für die Bestimmung der Positionsgrößen herangezogen werden, weil sie einfach keine verlässliche Größe darstellen.

 

Dazu ein Beispiel. Unsere Positionsgröße je Trade liegt bei USD 3.000. Die Aktie von MSFT hat gestern bei USD 242,38 geschlossen. Damit kann der Trader abgerundet 12 Aktien kaufen.

 

Doch die meisten Trader hierzulande nutzen ein Konto in Euro. Diese Tatsache kombiniert mit einer weiteren Tatsache, nämlich dass sich der Wechselkurs vom Zeitpunkt, an dem man die Ordergröße errechnet und die Order beim Broker „einstellt“ (du erinnerst dich: Market Orders stellt der Trader oft schon dann ein, wenn die Märkte geschlossen haben – beispielsweise am Morgen), beinhaltet Unschärfe 1.

 

Denn der Wechselkurs ändern sich permanent von Montag bis Freitag rund um die Uhr. Da wir darüber hinaus eine Market Order, mit der wir Tages-Schlusskurs Strategien umsetzen wollen, jedenfalls vor Börseneröffnung einstellen müssen, wird es hier zu mehr oder weniger großen Abweichungen kommen. 

 

Denn auch wenn wir den spät-möglichsten Zeitpunkt für die Ordereingabe nutzen (bis 15:28 Uhr muss beispielsweise eine „Market On Open“ Order an der Börse sein) bleibt eine Verzögerung von 2 Minuten. Mindestens – den praktisch ist die Verzögerung deutlich länger.

 

In 99 % aller Fälle wird diese Problematik in der Praxis keine Probleme darstellen. Denn schon alleine die Tatsache, dass die meisten Trader eher kleine Konten (alles unter 6-stellig ist klein) haben, lässt die Abweichungen in der Positionsgröße, die sich wiederum aus einem rasch geänderten Wechselkurs ableitet, als unbedeutend erscheinen.

 

 

Anmerkung: eine mögliche Lösung ist hier, das gesamte Konto in USD zu führen, was ebenso bei manchen Brokern zulässig ist. Hier muss der Trader entscheiden, ob er das möchte.

Problem 2: Kurslücken - Gaps

Weitaus problematischer als die vorhin erwähnten Schwankungen des Wechselkurses ist die Tatsache, dass der Schlusskurs, auf dem unsere Stückzahlen berechnet werden, so gut wie nie gleich mit dem Eröffnungs-Kurs ist, zu dem wir die Aktien dann tatsächlich kaufen.

 

Bleiben wir beim Beispiel von oben.

 

Unsere Positionsgröße je Trade liegt bei USD 3.000. Die Aktie von MSFT hat gestern bei USD 242,38 geschlossen. Damit kann der Trader abgerundet 12 Aktien kaufen. So weit waren wir schon. Nun kommen zu Microsoft gute Nachrichten nach Börsenschluss und die Aktie steigt daraufhin um 7 %. 

 

Die Börseneröffnung liegt jetzt nicht bei 242,38, sondern bei 259,35. Wir kaufen weiterhin 12 Aktien, denn die Order ist ja schon so eingestellt. 12X259,35 (= EUR 3.112) ist natürlich mehr als 12×242,38 (= EUR 2.909). Die Differenz liegt immerhin bei EUR 204.

 

Passiert das einmal, ist es zu verkraften (oder schöner ausgedrückt: statistisch nicht relevant). Passiert es 4x pro Tag, könnte das die Performance massiv beeinflussen.

 

 

Jetzt ist es natürlich richtig, dass der Kaufkurs nicht immer über dem Schlusskurs des Vortages liegen wird. Es wird genug Fälle und Situationen geben, wo wir billiger in den Trade hineinkommen. Doch irgendwie hat man bei der Sache kein gutes Gefühl. Es ist eine Art Blindflug, den man hier macht. Kann man so überhaupt erfolgreich traden? Die Zweifel scheinen berechtigt.

Eine gute Möglichkeit ist die Ergänzung OPG zur Orderart

Market Orders oder der Sonderfall Market On Open Orders sind einfache aber performante Ordertypen, die den Handel von Trading Strategien auch ohne Automatisierungen zulassen. Genau genommen haben die dargestellten Unschärfen hinsichtlich der Wechselkurse und den Kurslücken nichts mit dem Orderzusatz „On Open“ zu tun. 

 

Die gleichen Probleme würden auch bei einer normalen Market Order zum Vorschein kommen, wenn man die Orders vorbörslich einstellt. Und das muss man so oder so, wenn man Tagesschlusskurs-basiert handelt. 

 

Denn hier gilt es, ab dem ersten Tick des Tages beim Trade an Bord zu sein und das kann ich nur, wenn ich unmittelbar zum Open kaufe (und beispielsweise nicht 5 oder 15 Minuten warte, ob ich „besser“ hineinkomme – denn dann führe ich mein Market Trading System ad absurdum, auch wenn es im Einzelfall klappen mag).


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